Geschäftsführerin lässt sich von einem Ritter nicht aus dem Konzept bringen


Geograf sucht neue Wohnung nach Rauswurf aus dem Klopstockhaus in Quedlinburg – Festveranstaltung mit Wanderung durch die Jahrzehnte

Da platzte er mitten in die Festveranstaltung zu 100 Jahre Kreisvolkshochschule. Lautstark fragte er nach einer neuen Unterkunft und wurde von KVHS-Geschäftsführerin  Herma Alpermann ebenso konsequent ausgebremst. Carl Ritter musste das Klopstockhaus am Schlossberg verlassen, nachdem die Stadt sich auf Quedlinburgs Dichter der Aufklärung konzentrieren wollte. Doch zunächst hatte der Geograph Ritter schlechte Karten, obwohl alles für ihn vorbereitet worden war. Er war zum falschen Zeitpunkt am richtigen Ort.

Manche Besucher der Festveranstaltung glaubten schon, dass ein ungebetener Gast sich nicht an das Reglement des Tages hält. Es wirkte echt, als Carl Ritter, in der Person des Schauspielers Markus Bölling, sich ein Wortgefecht mit Herma Alpermann lieferte. Im Carl-Ritter-Bildungshaus war er richtig. Nicht umsonst trägt seit der Eröffnung im Jahr 2006 das gemeinsame Domizil von Kreismusikschule, Kreisvolkshochschule und Kreisbibliothek den Namen des Mannes, der vor über 200 Jahren in Quedlinburg geboren wurde und die Geographie als Wissenschaft etablierte.

Doch bevor Ritter seinen Auftritt hatte, ließen Herma Alpermann  und ihren Kolleginnen und Kollegen 100 Jahre Volkshochschule im Harzkreis Revue passieren. Im Saal des Bildungshauses, das als Gymnasium begann, später Gemeinschafts- und polytechnische Oberschule war, erinnerten sie an die Anfänge 1919, als nach dem 1. Weltkrieg die Erwachsenenbildung von der Politik einen neuen Stellenwert erhielt. Seit 10 Jahren ist die KVHS eine GmbH, hervorgegangen aus den drei Volkshochschulen in Halberstadt, Quedlinburg und Wernigerode nach der Fusion der drei Landkreise. In den letzten 10 Jahren bot die Kreisvolkshochschule Harz fast  8.000 Kurse mit über 85.000  Teilnehmern und 1.400 Dozenten an.

Doch zurück zu Carl Ritter. Sein Auftritt wurde von Brigitte Meixner, lange Jahre Chefin des Klopstockmuseums am Quedlinburger Schlossberg und heute noch Vorsitzende des Klopstockvereins, moderiert. Mit dem Auszug von Carl Ritter haben Kreisvolkshochschule und Kreisbibliothek Bücher und Schriften von Carl Ritter, die am Schlossberg lagerten, für eine ständige Ausstellung übernommen. Während der Eröffnung der Carl-Ritter-Ausstellung im Bildungshaus gab Carl Ritter alias Markus Bölling  einen Einblick in  das Leben und Schaffen des berühmten Quedlinburgers. Im  Gespräch mit Brigitte Meixner wurde die Beziehung zu Alexander von Humboldt beleuchtet, ebenso wurde auf die wissenschaftlichen Arbeiten Carl Ritters eingegangen.

Und noch eine historische Quedlinburger Gestalt ist an diesem Tag  gewürdigt worden. Nach einem Einstein- und einem Frankeraum (Otto Franke, der Chinaexperte aus Gernrode) gibt es nun auch einem H. C. Huchraum. Verlagsbuchhändler Heinrich Conrad Huch war Mitbegründer des Harzklubs, jahrelang Hauptschriftführer  und  Vorsitzender des Zweigvereins Quedlinburg. Olaf Eiding, heutiger Zweigvereins-Vorsitzender, würdigte während der Namensgebung die Lebensleistungen von H. C. Huch, der in der Bockstraße seine Verlagsbuchhandlung hatte. An dem Haus befindet sich seit Anfang der 1990er Jahre ihm zu Ehren eine Bronzetafel, gestiftet vom Zweigverein Quedlinburg.

An die 100-Jahr-Feier im Quedlinburg Bildungshaus schloss ein Tag der offenen Tür an. Die Fachbereiche der Kreisvolkshochschule, ebenso wie die Kreisbibliothek, stellten sich vor. Landrat Martin Skiebe (CDU) hatte zur Festverwaltung am Vormittag die Volksbildung als ein Grundrecht für die Bürger gewürdigt. „Für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter war es ein gelungener Tag“, wie von Besuchern übereinstimmend festgestellt wurde. Auch die eingeladenen Dozenten waren angetan von der Feier. 

 

Text: Gerd Alpermann, Foto: Eileen Drescher, Creative Network - HS Harz


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